Streit um Russland-Rückkehr: Wackeln jetzt die Millionen für die Biennale?
Venedig liebt das Spektakel, doch diesmal sorgt nicht die Kunst für den größten Aufruhr. Die 61. Kunstbiennale steht vor der Tür und die Gästeliste sprengt den diplomatischen Rahmen. Nach vier Jahren Pause kehrt Russland in seinen Pavillon in die Giardini zurück. Diese Entscheidung löst ein politisches Erdbeben aus, das bis nach Brüssel reicht. Die EU-Kommission droht nun sogar mit dem Entzug von Fördergeldern in Millionenhöhe.
Ein Comeback mit Sprengkraft
Lange Zeit sorgten sich die Organisatoren der Biennale eher um Absagen. Erst gab es Wirbel um den australischen Beitrag. Dann zögerten die USA unter der neuen Trump-Regierung monatelang. Schließlich strich Südafrika seine Teilnahme komplett. Doch seit dem 4. März brennt die Luft an einem ganz anderen Punkt.
Die Stiftung gab die Liste der 99 teilnehmenden Länder bekannt. Neben Israel und dem Iran steht dort schwarz auf weiß: Russland. Michail Schwydkoi, der russische Vertreter für Kulturaustausch, stellte trocken fest: Russland habe seinen Pavillon in Venedig nie wirklich verlassen. Die Ukraine protestiert sofort lautstark. Auch das Kollektiv Pussy Riot kündigte bereits heftigen Widerstand an.
Die Fronten verhärten sich
In der italienischen Politik herrscht dicke Luft. Kulturminister Alessandro Giuli distanzierte sich deutlich von der Einladung. Er schwänzte sogar die Präsentation des italienischen Pavillons aus Protest. Für ihn hat die Kunst einer Autokratie keinen Platz auf dieser Bühne.
Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco hält dagegen. Er sieht in Venedig keinen Raum für Zensur. Die Kunstschau müsse frei bleiben, egal wie schwierig die Lage sei. Unterstützung erhält er dabei von prominenter Seite. Vizepremier Matteo Salvini stellt sich hinter Buttafuoco. Auch Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro verteidigt die Entscheidung leidenschaftlich.
Brüssel droht mit dem Geldhahn
Jetzt schaltet sich die Europäische Union ein. Zweiundzwanzig europäische Kulturminister fordern einen Ausschluss Russlands. Die EU-Kommission untermauert diese Forderung mit einer harten Drohung. Sprecher Thomas Regnier betonte, dass europäische Kultur demokratische Werte fördern müsse. In Russland sehe man diese Werte derzeit mit Füßen getreten.
Konkret stehen zwei Millionen Euro auf dem Spiel. Dieses Geld fließt normalerweise über das Programm „Creative Europe“ nach Venedig. Die Summe unterstützt die Filmproduktion und die Ausbildung von Talenten. Sollte die Biennale den russischen Beitrag nicht stoppen, bleibt der Geldhahn wohl zu.
Freiheit oder klare Kante?
Bürgermeister Brugnaro betont die Tradition der Lagunenstadt. Venedig sei seit jeher ein Ort der Freiheit und des Dialogs. Er selbst werde zwar die russische Eröffnung meiden. Trotzdem will er die Tür für den kulturellen Austausch nicht zuschlagen. Man dürfe das russische Volk nicht mit der Politik des Staates gleichsetzen.
Die Kunstwelt blickt nun gespannt auf den 9. Mai. Dann öffnet die Biennale ihre Tore. Ob die russische Flagge dann wirklich im Wind weht, bleibt abzuwarten. Der Druck aus Brüssel und Kiew wächst stündlich. Eines ist sicher: Diese Ausstellung beginnt mit einem Paukenschlag, noch bevor das erste Bild hängt.