Bürgermeisterwahl Venedig 2026: Wer folgt auf Luigi Brugnaro? Die 8 Kandidaten im Überblick
Venedig steht vor einer großen politischen Wende. Nach einer gefühlten Ewigkeit endet im Mai 2026 die Amtszeit von Bürgermeister Luigi Brugnaro. Die Bürger der weltberühmten Lagunenstadt wählen nun ein neues Stadtoberhaupt. Die politische Zukunft Venedigs entscheidet sich an diesem Wochenende.
Insgesamt treten acht Kandidaten die Nachfolge an. Das ist ein Bewerber weniger als im Jahr 2020. Eine Besonderheit sticht sofort ins Auge. Unter den Kandidaten befindet sich in diesem Jahr keine einzige Frau. Venedig bleibt damit vorerst eine reine Männerdomäne in der Stadtpolitik.
Wann findet die Wahl statt und wann kommt das Ergebnis?
Die Wahllokale öffnen am Sonntag, den 24. Mai, und am Montag, den 25. Mai 2026. Die Bürger können an diesen beiden Tagen ihre Stimme abgeben. Die Auszählung der Stimmzettel beginnt direkt nach dem Schließen der Wahllokale am Montagnachmittag.
Mit den ersten verlässlichen Ergebnissen rechnen Experten am späten Montagabend. Die Auszählung zieht sich in Venedig oft in die Länge. Die komplexe Aufteilung zwischen Festland und historischem Zentrum erfordert viel Zeit. Erreicht kein Kandidat die absolute Mehrheit von über 50 Prozent, folgt zwei Wochen später eine Stichwahl zwischen den beiden Spitzenreitern.
Das sind die acht Kandidaten für Venedig
Die politische Landschaft präsentiert ein breites Feld. Vom erfahrenen Verwaltungsexperten bis zum radikalen Quereinsteiger ist alles vertreten. Hier ist die Übersicht der acht Bewerber.
1. Simone Venturini (Mitte-Rechts-Lager)
Der 38-jährige Venturini gilt für viele als der logische Nachfolger von Brugnaro. Er wuchs in Marghera auf und leitet aktuell das Ressort für Tourismus und soziale Kohäsion. Er vereint die klassische Mitte-Rechts-Koalition mit einer eigenen, ambitionierten Bürgerliste. Venturini verspricht eine Mischung aus bewährter Kontinuität und frischen Ideen.
2. Andrea Martella (Bündnis „La Stagione Buona“ – Mitte-Links)
Martella ist ein politisches Schwergewicht des Mitte-Links-Lagers. Der 58-jährige Senator der Demokratischen Partei bringt reichlich Erfahrung aus Rom mit. Seine Koalition vereint die großen Oppositionsparteien inklusive der Fünf-Sterne-Bewegung. Martella setzt auf einen echten politischen Wechsel und will die Stadt sozialer gestalten.
3. Giovanni Andrea Martini (Bündnis „Tutta la città che vogliamo“)
Der pensionierte Gymnasiallehrer genießt in Venedig einen guten Ruf. Er leitete früher die Gemeinde Venedig-Murano-Burano. Martini fordert seit Jahren mehr Mitspracherecht für die Bewohner der historischen Altstadt. Seine Bürgerbewegung kämpft gegen den Massentourismus und für bezahlbaren Wohnraum.
4. Michele Boldrin (Partei „Ora – il couraggio dell’ovvio“)
Boldrin bringt internationalen Glanz in den Wahlkampf. Der 60-jährige Ökonom lehrt normalerweise als Professor in den USA. Er studierte einst in Venedig und kehrt nun zurück. Seine liberal geprägte Partei entstand erst im Jahr 2025. Boldrin fordert radikale Wirtschaftsreformen für die Lagunenstadt.
5. Claudio Vernier (Bürgerliste „Città vive“)
Vernier vertritt die Unternehmer der Altstadt. Er betreibt das bekannte Café al Todaro direkt am Markusplatz. Als ehemaliger Chef der Vereinigung Piazza San Marco kennt er die Sorgen der Kaufleute. Seine im April 2026 gegründete Bürgerliste betont ihre strikte Unabhängigkeit von den klassischen Parteien.
6. Pierangelo Del Zotto (Liste „Prima il Veneto“)
Der 63-jährige Del Zotto verfügt über viel Erfahrung in der Regionalpolitik. Er war früher als Haushaltsreferent für die Provinz Venedig tätig. Vor zehn Jahren verließ er die Lega. Nun tritt er mit einer regional verankerten Liste an und konzentriert sich auf solide Finanzen.
7. Roberto Agirmo (Partei „Resistere Veneto“)
Agirmo ist ein 59-jähriger Tourismusunternehmer mit starker Unabhängigkeitsgesinnung. Er tritt für die Gruppierung des bekannten Arztes Riccardo Szumski an. Agirmo betont stolz seine tiefen venezianischen Wurzeln. Er fordert mehr Autonomie für die Region und kritisiert die nationale Politik deutlich.
8. Luigi Corò (Liste „Futuro per Venezia Mestre“)
Corò sorgte im Wahlkampf für eine echte Überraschung. Der 62-Jährige engagiert sich seit langem als Aktivist gegen den städtischen Verfall. Er steht der nationalen Bewegung von Roberto Vannacci nahe. Seine Liste agiert jedoch formal unabhängig und besetzt klassische Sicherheitsthemen.
Fazit und Ausblick
Das Rennen um Venedig bleibt extrem spannend. Der Wahlkampf zeigt tiefe Gräben zwischen dem Festland Mestre und der historischen Altstadt. Ob Simone Venturini das Erbe Brugnaros sichern kann oder Andrea Martella den Wechsel schafft oder gar einer der nicht als Favoriten gehandelten Kandidaten ganz oben in der Wählergunst steht, entscheiden die Venezianer am 24. und 25. Mai.
Bildkomposition und Informationsquelle: VeneziaToday