MOSE Flutschutzsystem – häufiger Einsatz verstopft Kanäle in Venedig

Zu viele Mose Einsätze verändern die Lagune und versanden die Kanäle, so eine Studie.

Die von Wissenschaftlern verschiedener Universitäten durchgeführte Untersuchung analysierte die Auswirkungen der ersten Aktivierungen des mobilen Deichsystems und stellte Hypothesen über die künftigen Entwicklungen auf.
Während Mose einerseits das Problem des Hochwassers löst, wird es andererseits erhebliche Auswirkungen auf die morphologische Entwicklung der Lagune haben: Die „künstliche“ Regulierung der Gezeiten führt zu einer Resuspension (Suspension: Aufschwemmung feinstverteilter fester Stoffe in einer Flüssigkeit) von Sedimenten, was die Verschlammung der Kanäle begünstigt und die Überlebensfähigkeit der Salzwiesen verringert. Wenn diesen Prozessen nicht entgegengewirkt wird, führt dies zu einer fortschreitenden Abflachung der Lagunentopografie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Padua mit dem Titel „Loss of geomorphic diversity in shallow tidal embayments promoted by storm-surge barriers“ (Verlust der geomorphischen Vielfalt in flachen Gezeiteneinzugsgebieten durch Sturmflutbarrieren), die in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht wurde und das Ergebnis der Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche ist.

Die von den Professoren Luca Carniello und Andrea D’Alpaos koordinierte Untersuchung analysierte die Auswirkungen der ersten Mose-Einsätze im Herbst 2020. Der Studie zufolge ist der Anstieg der Sedimentaufwirbelung auf die Wirkung der Wellen zurückzuführen, die im Inneren der Lagune durch die starken Winde erzeugt werden, die mit dem Anheben der Tore einhergehen und die, anders als man annehmen könnte, den Meeresboden stärker belasten, wenn der Gezeitenpegel in der Lagune durch die Tore reguliert wird. Nach dem Abtransport durch die Wellen lagern sich die Sedimente aufgrund der geringeren Wasserdynamik, die durch die Schließung der Laguneneinlässe verursacht wird, in den Kanälen ab und tragen so zur Verschlammung bei, was sich negativ auf den Wasseraustausch unter normalen Bedingungen auswirkt und die Kosten für das Ausbaggern zur Aufrechterhaltung der Schiffbarkeit erhöht.

Gleichzeitig trägt der Rückgang der Gezeiten in der Lagune dazu bei, dass sich die Menge der in den Salzwiesen abgelagerten Sedimente deutlich verringert. Diese Sedimente, die von entscheidender Bedeutung sind, damit die Salzwiesen den Anstieg des mittleren Meeresspiegels überleben können, werden bei Hochwasserereignissen, bei denen die Mose-Sperren aktiviert werden sollen, in großem Umfang auf ihnen abgelagert.

Die Forscher argumentieren schließlich, dass ein Kompromiss zwischen der Notwendigkeit, städtische Gebiete vor Überschwemmungen zu schützen, und dem Erhalt des Ökosystems der Lagune gefunden werden muss. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass es dringend und unumgänglich ist, Maßnahmen zu entwickeln, um die durch die Untersuchungen aufgezeigten Auswirkungen abzumildern. So könnten beispielsweise ergänzende Lösungen für die Mose angenommen werden, um die Gesamtzahl der jährlichen Sperrungen zu verringern und so die negativen Auswirkungen auf die Erhaltung der Morphologie der Lagune zumindest teilweise zu mildern.

Lavori per il MO.S.E. Bocca di Malamocco, conca di navigazione, foto aerea, laguna di Venezia 26-08-2014

Die Studie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem Interfakultären Zentrum für Hydrodynamik und Morphodynamik der Lagunen, der Fakultät für Bau-, Gebäude- und Umwelttechnik und der Fakultät für Geowissenschaften der Universität Padua, an der auch die Fakultät für Umweltwissenschaften, Informatik und Statistik der Universität Ca‘ Foscari und die Fakultät für Umwelttechnik der Universität Kalabrien beteiligt waren. Die Initiative fand im Rahmen des Projekts Venedig 2021 statt, das von der Wasserbehörde über Co.Ri.La, das Konsortium zur Koordinierung der Forschung über das venezianische Lagunensystem, finanziert wurde.

Lavori per il MO.S.E. posizionamento della porta lato mare nella conca di navigazione, laguna di Venezia 08-04-2014

Fotos: mosevenezia

2 Gedanken zu „MOSE Flutschutzsystem – häufiger Einsatz verstopft Kanäle in Venedig“

  1. Also ist Mose auch nicht das Gelbe vom Ei. Schade, ich habe gehofft, dass durch Mose ein nachhaltiger Schutz der Lagune gegeben ist! Lg.Brigitte*

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